Harald Kille/Michael Rickelt

Harald Kille
Aus der Serie:
Krieg, Handel und Piraterie

Michael Rickelt
Der Reiz der inneren Werte
dreieinig sind sie II

Eröffnung: Sonntag 27. November 2016, 11 Uhr
Einführung: Camilla Bonath-Voelkel M.A.

In den Strichzeichnungen von Michael Rickelt versammeln sich Figurationen und Gesichtsprofile in teilweise karikaturhafter Weise. Die Ideen dazu stammen aus unzähligen Notizbuchskizzen. Vielleicht kann hier von der Gattung der Komischen Zeichnung gesprochen werden, doch läßt sich kein direkter Bezug zu einem Erzählkontext wie beim Comic oder bei einer Illustration her- stellen. Die kleinformatigen Blätter beschwören vielmehr unbeirrt den zeitlosen Reiz der schwar- zen Linie auf dem Papier. Sparsam eingesetzte Farbakzente und Farbspuren mit Hilfe von Wasserfarbe verstärken eher den Charakter der Vereinzelung im Kontrat zur weißen Bildfläche. Hinzukommen in winziger Computer- schrift Bildtitel, die, an den unteren Rand gesetzt, wortspielerisch verfremdet autobiografische Relikte zu zelebrieren scheinen. Ausgehend von dieser Art der Bild-Text-Kombination läßt sich das Medium des Cartoons als eine zusätzliche Ausdrucksform bei Michael Rickelt deuten.

„Krieg, Handel und Piraterie – dreieinig sind sie“. Der Titel aus Goethes Faust II benennt schon die Thematik, in deren Spannungsfeld Harald Kille arbeitet: zwischen Kunst und ihrer gesellschaftspolitischer Relevanz. Zwei seiner 12-teiligen Serien hat er so benannt und zeigt einige dieser Bilder in der Ausstellung. Sie sind trotz ihrer Pastosität in Schichten gemalt, wenn man so will in Schichten, die nach dem Bild an sich und dem Bild im Besonderen fragen: als Vorlage benutzt er vornehmlich eigene Fotos, die er von Tagesschauen und politischen Berichten macht und dann vier solcher Fotos zu einer Vorlage arrangiert. In einer freien Malerei beginnt nun die inhaltliche Befragung: was sehe ich und was will ich zeigen? Ein langer Prozess, bei dem immer wieder zerstört und aufgebaut werden muss, bis das Bild in Dialog tritt und sagt, worin seine eigentliche Notwendigkeit besteht. Das kündigt seine Reifung an. Nach Beendigung des Bildes wird dieser Dialog fortgeführt zwischen Betrachter und Bild: was erkenne ich und was hat das für eine Bedeutung? Die politische Thematik wird nicht plakativ zu Schau gestellt, sondern aus dem Prozess, aus der Farbe erarbeitet und gewinnt damit etwas Parabelhaftes. Das Bild ist somit eine Frage-stell-Maschine und kein Antworten-Auswurf.
Flucht, Massenproteste, Militarisierung und gesellschaftliche Destabilisierung sind Themen dieser Bilder und Serien. In einer Massengesellschaft haben rechte und nationalistische Parolen in einer Weise wieder Platz gegriffen, die für viele vor kurzem noch unvorstellbar war und denen die Kultur etwas entgegensetzen muss. Das eigentlich Politische an Kille’s Kunst ist aber viel weniger seine Thematik, sondern die individuelle und damit demokratische Möglichkeit eines jeden, sich auf seine Bilder unvoreingenommen einzulassen. Die Betrachtung des Bilds wird zu einem gesellschaftspolitischen Diskurs, zu einer Meditation über die bestehenden Verhältnisse, ohne sie zu beschönigen oder gar zu dekorieren. Die Schönheit bleibt allein der Malerei vorbehalten, wenn man sie als solche erkennen mag.

killerickelt

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